Nauen – Oranienburg – nördliche Umgehungsbahn

Nauen – Oranienburg – nördliche Umgehungsbahn

6. Teil aus der Reihe „Die Eisenbahn in und um Nauen

Noerdliche Umgehungsbahn Streckenkarte
Nördliche Umgehungsbahn Streckenkarte

Seit 1908 war die Umgehungsbahn von Jüterbog über Treuenbrietzen, Wildpark bei Potsdam bis Nauen komplett in Betrieb (siehe auch Kapitel 4). Sie war ein voller Erfolg und deshalb bewilligte der Landrat im Jahr 1910 weitere Gelder zur nördlichen Fortführung der Umgehungsbahn von Nauen über Kienberg, Börnicke, Flatow, Kremmen (mit Anschluss an die Kremmener und Ruppiner Eisenbahn), Germendorf, Eden nach Oranienburg (mit Anschluss an die Nordbahn). Im Jahre 1912 begannen der Bauarbeiten, die einige Monate nach Beginn des I. Weltkrieges beendet waren. Die 38,15 km lange Strecke wurde zwar als zweigleisige Hauptbahn projektiert und geplant, die Inbetriebnahme erfolgte aber nur als eingleisige Nebenbahn am 02.11.1914 für den Güterverkehr und am 01.04.1915 auch für den Personenverkehr. Dabei blieb es auch.

Bahnhof Börnicke um 1930
Bahnhof Börnicke um 1930

Bemerkenswert ist, daß die Bahnhöfe Börnicke, Flatow und Germendorf fast baugleich ausgeführt wurden. Der kleine Bahnhof Kienberg war gleichzeitig Ausgangspunkt für die Luchfeldbahn, die im Zusammenhang mit Entwässerungsmaßnahmen im Havelländischen Luch angelegt wurde und über den Haltepunkt Eden bei Oranienburg gelangte man ab 1937 zu den Heinkel-Flugzeugwerken.

Zug zwischen Börnicke und Flatow vor Stilllegung der Strecke
Zug zwischen Börnicke und Flatow vor Stilllegung der Strecke
Flatow Bahnhof um 1920
Flatow Bahnhof um 1920

Von Anfang an hatte die Güterumgehungsbahn (GUB) für den Güterverkehr eine überregionale Bedeutung, denn im berlinnahen Raum stellte sie die kürzeste Verbindung zwischen der Nordbahn (Berlin-Rostock/Stralsund) und der Hamburger Bahn (Berlin-Hamburg/Schwerin) ohne Berlin-Berührung her! Im weiteren Verlauf der GUB nach Süden wurden auch die Lehrter Bahn (Berlin-Lehrte/Hannover) und die Anhalter Bahn (Berlin-Halle/Saale) berührt. Diese Umfahrungsmöglichkeit führte auch dazu, daß ein beachtlicher Anteil an Reisegepäck und Expressgut (in der Nord-Süd-Relation und nicht für Berlin bestimmt) auf der Strecke befördert wurde. Oft wurden neben dem Gepäckwagen (damals noch unentbehrlich), auch noch besondere Kurswagen mit Gepäck- und Expressgut in die Züge eingestellt. Für den Lokeinsatz auf dieser Strecke war der Bahnhof Nauen zuständig.

Kremmen Bahnhof nach 1989
Kremmen Bahnhof nach 1989

Die Bahn verband zwei wichtige Kreisstädte miteinander, die auch als Umsteigebahnhöfe für den Fernverkehr fungierten. Vor dem Zweiten Weltkrieg verkehrten drei Zugpaare zwischen Nauen und Oranienburg, bis 1960 erhöhte sich ihre Zahl auf fünf, ein weiteres Zugpaar fuhr damals zwischen Nauen und Kremmen. Ein Teil der Züge fuhr bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges direkt von Oranienburg über Nauen weiter bis Wildpark oder sogar bis Jüterbog. Anfang der 1950er Jahre wurde der Berliner Außenring als leistungsfähige Umfahrung West-Berlins gebaut. Die eingleisige Strecke der Umgehungsbahn von Nauen nach Oranienburg verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung. Zwar wurde im Mai 1967 bereits der Personenverkehr eingestellt aber die Strecke wurde für den Güterverkehr weiterhin offengehalten. Immer dann, wenn der Berliner Außenring betriebsbedingt nicht aufnahmefähig war, bot sich diese Umfahrungsstrecke an. Erst 1993 wurde auch der Güterverkehr zwischen Nauen und Kremmen eingestellt und bis 2001 wurde die gesamte Strecke offiziell stillgelegt. Im Jahre 2006 wurde der Abschnitt Kremmen – Germendorf als Draisinenstrecke für den Freizeitverkehr wiedereröffnet.

Autor: Uwe Ulrich

Hier zum 7. Teil – Mit der stillen Pauline von Nauen nach Rathenow

Hier zum 1. Teil – Die Eisenbahn in und um Nauen

Hier zum 2. Teil – Der Ursprungs-Bahnhof

Hier zum 3. Teil – Die Kleinbahnen

Hier zum 4. Teil – Von Nauen nach Velten mit der Töpferbahn

Hier zum 5. Teil – Nauen – Wildpark – Umgehungsbahn

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