Die Entwicklung des Schulwesens in der Stadt Nauen

Die Entwicklung des Schulwesens in der Stadt Nauen

Erste Schule in der Stadt Nauen
Erste Schule der Stadt Nauen, heute steht dort die Käthe-Kollwitz Schule

Erstmalig hören wir von der Existenz einer Nauener Schule in einem Kirchenvisitationsprotokoll aus dem Jahre 1541. Hier ist von einer „Pfarren- Kaplanei- Schule“ und von einem „Gesellen uff der Schule“ die Rede. Eine nähere Erörterung der Schulverhältnisse erfahren wir erst in einem weiteren Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1575, in welchem dem „Schulmeister und seinem Baccalaureo“ ein ganzer Abschnitt gewidmet ist. Danach betrug die Besoldung des Schulmeisters 28 Gulden jährlich und die eines Baccalaureo 2o Gulden. Wer die Schule besuchte, musste an den Pfarrer Schulgeld zahlen. Weil das Lehrergeld zu gering war, wurde in dem erwähnten Visitationsprotokoll empfohlen, dem Lehrer einen freien Mittagstisch zu gewähren. Über das Ausbildungsziel der Schule erfahren wir, dass die Schule die Kinder zu Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Sitte wohlerziehen solle und dass sie den Katechismus Luthers zu studieren haben. Die Entlassung durfte erst erfolgen, „…. wenn die Kinder lesen können, in dem Katechismus und im Christentum mäßig geübt sind und die Bibel aufzuschlagen wissen“. (Aus einer Kirchenmatrikel in Brandenburg.) Um die Kinder im Lernen anzuregen, wurde in jeden Quartal eine Prüfung abgehalten, die vom Bürgermeister, dem Pfarrer und seinem Kaplan sowie dem Stadtschreiber abgenommen wurde. Es durften nur die Jungen zur Schule gehen, jedoch wird in dem oben erwähnten Visitationsprotokoll schon empfohlen, eine „Jungfrauenschule“ einzurichten. Das erste Schulhaus hat wohl auf dem Kirchplatz gestanden. Es war eine städtische Einrichtung, wenn auch das gesamte Unterrichtsleben von der Kirche bestimmt wurde. Lateinunterricht wurde höchstwahrscheinlich schon in dieser ersten Schule erteilt. Dazu bedurfte es eines studierten Lehrers, eben Schulmeister genannt. Einem zweiten Kollegen, im Volksmund Geselle genannt, oblag die Elementarausbildung für die kirchlichen Zwecke.

Kaethe Kollwitz Schule Nauen Martin Luther Platz
Käthe-Kollwitz-Schule Nauen auf dem Martin-Luther-Platz

Nach dem Totalbrand im Jahre 1595 entstand 1699 ein neues Schulhaus. Trotz des Neubaus gab es hier aber noch viele Mängel. Das ganze Erdgeschoß war in zwei Klassenräume eingeteilt, die nur durch eine dünne Lehmwand getrennt waren. In dieser Wand war noch ein großes Loch für einen Ofen ausgespart, der beide Zimmer gleichzeitig erwärmen musste. Um nun einen neuen Klassenraum zu schaffen, teilte mein später eines der beiden Zimmer durch eine Trennwand aus Holz erneut auf. Diese Bretterwand hatte ebenfalls eine große Öffnung, um die Wärme des einzigen Ofens durchzulassen. Das gleiche machte man 1723 mit dem anderen Raum, so dass 4 Klassenzimmer im Erdgeschoss. durch einen Ofen geheizt wurden. Die Wirkung war natürlich die, dass man in beiden Zimmern, die am Ofen lagen, schwitzte, und in den beiden äußeren Räumen oft vor Kälte nicht arbeiten konnte. Dazu kam, dass der Fußboden mit Steinen gepflastert war. Außerdem störten sich dabei durch die Öffnungen in der Wand die Klassen gegenseitig. Die Wohnungen für die Lehrer waren nicht viel besser. So hatte der Lehrer der ersten Mädchenschule, das war der Küster des Ortes, seine Wohnung in der Schulstube. Erst 173o wurde ihm auf Drängen der kurmärkischen Domänenkammer eine Wohnung über der Schulstube eingerichtet, da, wie es in einem Schreiben an den Magistrat heißt: ….der Gestank ohnedies fast unerträglich, auch nicht der geringste Platz vorhanden, woselbst er seine Sachen und Meubles lassen kann.“ Überhaupt schenkte man der Mädchenschule um die damalige Zeit wenig Beachtung. Das geht aus einer Klage der Öffentlichkeit aus dem Jahre 1771 hervor, in der gesagt wird, dass dir Mädchen bei dem 86jährigen Küster nichts mehr lernen könnten. Der Küster wurde, weil er Mädchen unterrichtete, auch gar nicht zu den Lehrern gerechnet.

Goethe Gymnasium Nauen
Goethe Gymnasium Nauen

Im 19. Jahrhundert änderten sich die Schulverhältnisse auch in Nauen grundlegend. Die Fremdsprache entfiel, und die Mädchenschule wurde jetzt in das System der Gesamtschule eingegliedert. Nach dieser Neuregelung im Jahre 1812 bestanden dann folgende Schulen: Die Elementarschule (2 Klassen mit Jungen und Mädchen), die Knabenschule (2 Klassen) und die Mädchenschule (2 Klassen). Dazu wurde ebenfalls 1912 eine sogenannte Industrieschule für den Handarbeitsunterricht eröffnet. As zweites Schulhaus überließ die Kirche dem Magistrat in dieser Zeit das „Gotteskastenhaus“ in der Kirchgasse, des bis 1887 für Schulzwecke genutzt wurde. Entsprechend mit Erhöhung der Einwohnerzahl und der damit verbundenen Steigerung der Schülerzahl wurden nun in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts auch endlich in Nauen neue Schulbauten notwendig. So entstanden 1858 das Schulhaus an der Ecke Feldstraße / Berliner Straße (heutige Grundschule am Lindenplatz), 1875 das Schulhaus, in dem heute die Regenbogenschule untergebracht ist, und im Jahre 1896 das Gebäude der heutigen Käthe-Kollwitz-Grundschule. Das Gebäude der heutigen Goetheschule entstand erst im Jahre 1919. Mit der Entwicklung des Kapitalismus entstand im Bürgertum der Wunsch nach höherer und gesonderter Bildung für die Kinder ihrer Klasse, Bereits 1852 gab es einen Versuch zur Gründung einer höheren Privatschule die aber wenige Jahre später wieder einging. Im Jahre 1870 endlich eröffnete der Magistrat eine sogenannte „Höhere Bürgerschule“, das spätere Realgymnasium.

Diesterweg Schule Nauen
Diesterweg Schule Nauen, heute Regenbogenschule

Diese Schule wurde im Gebäude der heutigen Berufsschule untergebracht. Durch ein entsprechend hohes Schulgeld wurde verhindert, dass auch die Kinder der Arbeiter und der Nauener Ackerbürger in diese „bürgerlichen Bildungskreise“ eindringen konnten. Das Schulgeld für diese Schule betrug 1874: Klassen Sexta und Quinta 48 Mark und für den Besuch der Obersekunda sogar 90 Mark. Bezeichnend für den Klassencharakter der alten Schule waren auch die Klassenfrequenzen und die Schülerzahl an den einzelnen Schulen. Im Magistratsbericht von 1895 sind folgende Zahlen angegeben:

Realprogymnasium: Durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse 15. Bei insgesamt 1o5 Schülern wurden 9 Lehrer beschäftigt.

Volksschule: (Knaben- und Mädchenschule unterstanden einem Rektorat) Durchschnittliche Klassenfrequenz 45 bis 5o Schüler. Bei 1090 Schülern waren 21 Lehrer beschäftigt.

Quelle: Aufzeichnungen Fritz Warncke († 2017)